27. Mai

2019

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Hochbau

Hochbau Falkowski - Interview

Experteninterview ISO 9001:2015 Qualitätsmanagement

Qualitätsmanagement ist ein ständiger Begleiter für jeden Unternehmer. Mithilfe der ISO Zertifizierung, einer Konformitätsprüfung, werden Personen, Produkte, Prozesse oder Systeme getestet. Ein positives Ergebnis erhöht das Vertrauen in Erzeugnisse, Verfahren und Dienstleistungen. Aufgedeckte Fehler können zur Prozessoptimierung genutzt werden. Was genau sich hinter dem Verfahren ISO 9001 verbirgt und warum es für Unternehmen zum Minimalstandard gehört, erläutert Dipl.-Ing. Thomas Hermsdorf.

 

  1. Herr Dipl.-Ing. Hermsdorf, Sie sind Management-Auditor und Berater des ISO 9001-Systems und treiben den Prozess im Unternehmen Hochbau Falkowski voran. Warum ist das so wichtig?

Falkowski hat sich im Bereich Hochbau über Jahre einen soliden Kundenkreis durch gute Ergebnisse aufgebaut. Neben der aktuellen Ausweitung dieser Tätigkeiten, fängt Falkowski nun auch an, Projekte und Vorhaben selbst zu entwickeln – das ganze wird also auf eine höhere Stufe gebracht. Da sind geregelte Prozesse, festgelegte Qualitätssicherungs-Maßnahmen und eine zuverlässige Lenkung von Dokumenten und Informationen das absolute A und O.

  1. Was genau ist die ISO 9001?

Die ISO 9001:2015 (aktuelle Version) ist eine internationale Norm mit systematischen Anforderungen an ein professionelles Managementsystem in Unternehmen. Es basiert auf dem Grundmodell PLAN, DO, CHECK und ACT und bezieht Aufbau- und Ablauforganisation eines Unternehmens als tragende Struktur ein. Sie wird international regelmäßig weiterentwickelt und gehört in der Profi-Liga zu den Basics; darüber hinaus gibt es zahlreiche Ableitungen in verschiedenen Wirtschaftsbereichen (z.B. Automobil, Gesundheit, Bildung, …).

  1. Was verspricht sich Hochbau Falkowski davon? Hauptsächlich Qualitätssicherung oder auch Prozessoptimierung?

Ohne vorhandene Qualitätssicherung und Prozessoptimierung könnte Falkowski weder die vorhandenen Projekte stemmen, noch nachhaltig Kundenbegeisterung schaffen. Die zahlreichen „Wiederholungs“-Kunden wissen, welches Bauergebnis sie erwarten und das das bekommen sie auch. Termine, Kosten, Qualität – darum dreht sich auf den Baustellen und im Unternehmen alles.

Aufbau und Zertifizierung des Managementsystems nach ISO 9001:2015 sind Teil der Strategie, nicht nur „gesund“ am Markt zu wachsen und neue Aufgaben auch als Projektentwickler zu stemmen, sondern auch das Qualitätsversprechen gegenüber den Kunden langfristig und durch systematische Methoden einzuhalten.

  1. Warum entscheiden sich immer mehr Unternehmen für die ISO 9001 Zertifizierung im Qualitätsmanagement?

Die Norm ist seit Jahrzehnten etabliert – durch eine internationale Normungsarbeit werden die Anforderungen immer wieder an der Realität ausgerichtet. In den Jahren ist so eine „Quasi“-Standard entstanden, der in Ausschreibungen und Wettbewerben regelmäßig durch Auftraggeber abgefragt wird. Ein Unternehmen muss heute nicht mehr erklären, warum es ein Managementsystem hat – das wird im professionellen Bereich eher erwartet – es muss erklären, warum es ggf. kein Managementsystem braucht.

Als Managementauditor habe ich auch mit zahlreichen Ingenieurbüros und Architekten zu tun, die Ausschreibungen erstellen. Dort gehört die Abfrage nach einem zertifiziertem Managementsystem zum Standard. Ein zertifiziertes Unternehmen reicht das Zertifikat ein – und gut ist.

  1. Was sind die Vorteile des Qualitätsmanagementsystems?

Klare Strukturen, überlegte Prozesse und Abläufe sowie Kennzahlen, an den man bewerten kann, ob der Kurs noch stimmt. Es macht keinen Sinn mit voller Kraft zu agieren, wenn die Richtung nicht stimmt. In der aktuellen Wirtschaftslage sind Ressourcen ein knappes Gut – mit einem Managementsystem kann man immer wieder korrigierend eingreifen.

Die aktuelle Situation am Baumarkt bietet auch viele Wachstumschancen. Auch hier spielen effektive Managementsysteme durch skalierbare Prozesse und Qualitätssicherungsmaßnahmen ihre Stärken aus.

Und, auch Menschen ändern sich und verlassen ein Unternehmen. In der aktuellen Normversion spielt auch das Thema „Wissen“ eine große Rolle. So bleiben Unternehmen handlungsfähig, auch wenn das Team sich ändert. Auch das ist ein absoluter Vorteil für Kunden.

  1. Gibt es auch Nachteile von ISO 9001?

Als zugelassener Auditor in zwei großen Zertifizierungsgesellschaften lerne ich in ca. 130 Audittagen je Jahr viele QM-Systeme kennen. Den größten Nutzen erlebe ich bei Systemen, die „leben“. Oft sind das aktuelle cloudbasierte EDV-Systeme, z.B. Wikis. Die sind schnell und „Suche“-orientiert und dadurch finden die Nutzer, was sie suchen.

Hakelige Explorer-Strukturen oder uralte Muster-Ordner und Dateien kommen da nicht mehr mit. Die Nutzer brauchen zu viel Insider-Wissen, um überhaupt was zu finden und lassen es dann auch einfach. Das stört da z.T. aber nicht, weil es sowieso kaum genutzt wird. Das ist aus meiner Sicht totes Kapital.

  1. Wie funktioniert das Verfahren?

Ein Zertifizierungsverfahren ist international gleich festgelegt. Eine Zertifizierungszyklus dauert 3 Jahre. Er beginnt mit einem längeren Zertifizierungs-Audit, dann folgen 2 kürzere Überwachungs-Audits. Die Ermittlung des Zeitaufwandes erfolgt durch die Zertifizierungsgesellschaft und ist international gleich. Damit kann eine Vergleichbarkeit der Zertifizierungen erreicht werden. Einflussgrößen sind Zahl der Mitarbeiter und Anzahl der Standorte.

  1. Welchen Unternehmen würden Sie zu einer solchen Zertifizierung raten?

Ein Managementsystem nach der ISO 9001:2015 kann ich jedem Unternehmen empfehlen. Es bringt klares Denken in Strukturen und schafft damit Skalierbarkeit, Wissenssicherung und klare gelenkte Dokumente. Ein Unternehmen haftet oft langfristig für Ergebnisse und der Zugriff auf dokumentierte Entscheidungen kann da sehr wichtig sein.

Die Zertifizierung empfehle ich Unternehmen, die ihren Anspruch an die eigene Leistungserbringung auch systematisch abbilden und nachweisen wollen. Andere Unternehmen können sich das gar nicht aussuchen, das wird von den jeweiligen Auftraggebern einfach gefordert.

Sorge in der Zeit, dann hast Du in der Not – diese Regel gilt aus meiner Sicht auch für Start-Ups- und kleine Betriebe, die ein Wachstum planen.

  1. Wie wird sich das Verfahren in Zukunft entwickeln und wird seine Bedeutung weiter steigen?

Die ISO 9001 gibt es seit Jahrzehnten und sie wird durch einen internationalen Normungsausschuss lfd. weiterentwickelt. Sie bietet eine Management-Systematik, auf die sich Unternehmen verständigen können – eine wichtige vertrauensbildende Maßnahme und oft Grundlage bei größeren Ausschreibungen.

Die Bedeutung wird im „Profi“-Bereich noch steigen, da sich Beteiligte in Projekten oft neu zusammenfinden. Da kann man zumindest von einer vergleichbar professionalisierten Unternehmens-Struktur ausgehen. Flankiert wird das oft noch durch Zertifikatsanforderungen in den Bereichen Umweltschutz, Arbeitssicherheit, Nachhaltigkeit usw.

Ich würde sagen: „Die Norm lebt!“, ihr geht es gut und sie wird viele Kinder haben.

 

Herr Hermsdorf, wir bedanken uns für die spannenden Einblicke.

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